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Der Name Fichtelgebirge

Woher kommt der Name Fichtelgebirge?
Von Dietmar Herrmann, Wunsiedel

1. Einleitung

In letzter Zeit erhielt der Fichtelgebirgsverein mündliche und schriftliche Anfragen aus allen Bereichen, woher eigentlich der Landschaftsname Fichtelgebirge kommt. Eine wissenschaftliche Bearbeitung über die Namensentstehung fehlt nach meinem derzeitigen Kenntnisstand. Auch in der Literatur gibt es bisher keine ausführlichen oder eindeutigen Deutungsversuche. Waren es tatsächlich die Fichten oder Wichteln, die namensgebend waren, wie es verschiedentlich zu lesen ist?
Mit diesem Aufsatz wird der Versuch unternommen, dem „Geheimnis“ des Namens auf die Spur zu kommen, obwohl der Verfasser kein Namensforscher ist. Die nach-folgenden Ausführungen bitte ich deshalb als Diskussionsgrundlage zu verstehen, weitere Erkenntnisse über die Namensentstehung werden gerne zur Kenntnis genommen.

2. Alte Beschreiber

Im Mittelalter wird für das Fichtelgebirge noch kein spezieller Landschaftsname kundbar. Beschrieben wird die breite Grenzwaldzone, die als „silvia nortica“ und mit ihrer östlichen Abgrenzung als „silvia bohemica“ seit dem 9. und 10. Jahrhundert unter dieser Benennung in Erscheinung tritt.(1) Mit der Klostergründung von Waldsassen 1133 ist die Ortsbestimmung des Klosters mit „silvia, quae dicitur Nortwalth“ angegeben, wobei auch unser weitgehend unerschlossenes Gebiet zu diesem Nordwald gehört haben muss.(2) Der oftmals in der Siedlungsgeschichte zitierte Nordgau, zu dem unser Landstrich gehörte, ist als territorialer Begriff anzusehen.

Die erste Beschreibung des Fichtelgebirges stammt aus dem Jahr 1476 von dem Heidelberger Hofhistoriografen Matthias von Kemnath (richtiger Namen: Matthias Widmann aus Kemnath/Ldkr. Tirschenreuth).(3) Er schreibt vom „Fichtlberg“, der zur Hälfte dem Markgrafen und Pfalzgrafen gehört. Caspar Bruschius schreibt 1542 in seinem Buch vom „Vichtelberg“ und dem Wasserreichtum des Gebirges und man höre, dass davon der Name „Feuchtenberg“ herkomme. Er sei jedoch der Ansicht, dass schon die Fichten für das Gebirge namensgebend waren. Die gleiche Ansicht vertritt im Jahr 1692 Magister Johann Willen, der bereits das Wort „Fichtelgebirg“ verwendet und die einzelnen Bergen unserer Region beschreibt.4 1716 berichtet Pachelbel vom „Fichtelberg“, der seinen Namen ohne Zweifel von der „unzehlichen Menge der Fichten“, die auf diesem „Gebürg“ wachsen, hat.(6) Der kurfürstliche Berg- und Münzrat Mathias Flurl(7) schreibt 1792, dass der oberpfälzische „Fichtelberg“ ein Teil von derjenigen Gebirgskette ist, welche sich zwischen der bayreuthischen und böhmischen Grenze nach Sachsen hin erstreckt, seinen Namen von den ausgedehn-ten Fichtenwäldern erhalten habe.

Alexander von Humboldt,(8) der Oberbergmeister in den Fränkischen Fürstentümern Preußens war, ist der Erste, der in seinem Bericht an die preußische Landesherrschaft vom 22. September 1792 den Landschaftsnamen „Fichtelgebirge“ verwendet. Unter dem Begriff „Fichtelberg“ verstehe man Ochsenkopf, Platten, Schneeberg etc. Auffallend ist, das seit Bruschius die Fichten als namensgebend behandelt werden, kein Autor schreibt aber dann vom „Fichtengebirge“, sondern verwendet das alte Wort „Fichtel“.

3. Landbücher

Landbücher sind wertvolle Quellen für Namensforschungen, zwei markgräfliche Landbücher sind es, die uns ebenfalls für Nachforschungen zur Verfügung stehen. Das Landbuch der Sechsämter(9) von 1499 verwendet den Begriff „Vichtlberg“, wobei dort der Ochsenkopf gemeint ist. Das Landbuch des Amtes Berneck, Gefrees und Goldkronach von 1536(10) bringt ebenfalls den Hinweis auf den „Vichtelberg“, wobei wieder der Ochsenkopf gemeint ist.

4. Urkunden

Die erste bekannte Urkunde, die Teile des Fichtelgebirges beschreibt, ohne aber den Gebirgsnamen zu nennen, ist die vom Jahr 1061. Damals wird dem Ministerialen Ot-nant von Eschenau ein Rodungsbezirk im südlichen Bereich der Kösseine übereig-net.(11) Bachnamen werden genannt, die in der Mark Nabburg liegen, die sich im baye-rischen Nordgau befindet.
Einige Kilometer westlich der Kösseine wurde schon im 14. Jahrhundert am Südab-hang des Ochsenkopfes Bergbau auf Eisen betrieben, z.B. beim Ort Geiersberg in der Grube St. Veit.(12) Die Gegend um Geiersberg gehörte damals zum Ort Kaltenstei-nach und gehörte somit zum pfälzischen Amt Waldeck. Heute ist Geiersberg ein Ortsteil der Gemeinde Warmensteinach.
Der Landstrich zwischen Weißenstadt und dem Ochsenkopf gehörte damals als Reichslehen dem mächtigen Herrschergeschlecht derer von Hirschberg. In einer Ur-kunde vom Jahr 1317 werden die Orte und Landschaftsteile genannt, die die Adeli-gen erhalten hatten. Den Hirschbergern gehörte u.a. auch „der walt zu dem Vythen-berge“.(13)

5. Ergebnis

Die Namensableitung von den Fichtenbäumen ist höchst unwahrscheinlich und muss daher abgelehnt werden, denn zum Zeitpunkt der Namensentstehung war, wie die Pollenanalysen zeigen, bei uns ein Buchen-Tannen-Fichten-Mischwald vorhanden.(14) Infolge des Erzbergbaus und der Verhüttung der Metalle wurden die Laubholzarten stark dezimiert, sodass sich die schnell wüchsige Fichte stark verbreiten konnte.

Die Ableitung von den „Wichteln“, wie teilweise dargestellt, ist völlig abwegig, wenn dies auch die Tourismusverbände und manche Gastronomen so gerne vermarkten würden (Fichtel-Wichtel-Hotels!).

Der Ursprung des Namens Fichtelgebirge ist wahrscheinlich im Bergbaugeschehen zu suchen.(15) Zunächst war der in der Urkunde von 1317 genannte „Vythenberg“ der Berg, an dem sich das Bergwerk St. Veit befand. „Vyt“ im Wort „Vythenberge“ ist die alte Bezeichnung zum heutigen „Veit“.(16) Daraus entwickelte sich später das Wort „Vichtel“ oder „Fichtel“, wie es heute noch mundartlich gesprochen wird.

Gemeint war zunächst der Ochsenkopf(17) und seine nähere Umgebung, denn dort fand schon sehr frühzeitig, wie wir feststellen können, auf markgräflicher und ober-pfälzer Seite Metallbergbau statt. Den Ochsenkopf nannte man demnach den Vichtelberg/Fichtelberg, dieser Name übertrug sich später auf das gesamte hufeisenförmig gelagerte Gebirge. Ab 1792 taucht erstmals der Name Fichtelgebirge auf, der Eingang fand in die nachfolgende Literatur.

6. Anmerkungen

1 Sturm, Heribert: Districtus Egranus. In: Historischer Atlas von Bayern – Teil Altbayern Reihe II; S. 1 f.

2 Studt, Birgit: Der Heidelberger Historiograph Matthais von Kemnath und seine Chronik. In: Kemnather Heimatbote 1992, S. 4-9

3 Bruschen, Caspar: Des Vichtelbergs in der alten Nariscenland gelegen. Anno 1542. Über Kaspar Bruschius siehe auch Jäger Elisabeth: Wunsiedel Band 1 (1987), S. 11 – 14

4 Willen, M. Johann: Das Teutsche Paradeiß in dem vortrefflichen Fichtelberg. In: Archiv für Geschichte von Oberfranken 1881, Heft 1, S. 9

6 Pachelbel, Ausführliche Beschreibung des Fichtel-Berges in Nordgau liegend, Leipzig 1716, S. 1

7 Flur, Mathias: Beschreibung der Gebirge von Baiern und der oberen Pfalz 1792, S. 440

8 Kühnert, Herbert: Über den Zustand des Bergbaus und Hütten-Wesens in den Fürstentümern Bayreuth und Ansbach im Jahre 1792. In: Freiberger Forschungshefte D 23 (1959), S. 76

9 Singer, Friedrich Wilhelm: Das Landbuch der Sechsämter von 1499, S. 208 f.

10 Götz, Michael: Landbuch des Amtes Berneck, Gefrees und Goldkronach. In: Archiv für Geschichte und Altertumskunde von Oberfranken, Band 29 (1926), Heft 3, S. 88-159

11 Abdruck und Erläuterung der Urkunde bei Dietmar Herrmann: Die Kösseine im Fichtelgebirge. Heft 3/1993 der FGV-Schriftenreihe Das Fichtelgebirge, S. 80-86.

12 Bayerisches Oberbergamt: Statistik über Bergbau (1932), S. 46. Hinweis bei Veh, Frieda Maria: Mittelalterliche Gewerbe im Zentralstock des Fichtelgebirges (1971), S. 83

13 Abdruck des Urkundentextes bei Hofner, Hans: Die Herren von Hirschberg. In: Archiv für Geschichte von Oberfranken 1966, S. 22, Anm. 35

14 Firbas, F.: Zur Geschichte der Moore und Wälder im Fichtelgebirge.In: Forstwissenschaftliches Centralblatt 1956, S. 367-380. Siehe auch Mayer, Karl-Heinz: Die Forstgeschichte des Fichtelgebirges. In: Forstliche Forschungsberichte Nr. 167/1998

15 So auch Rudolf Freytag: Um die Naab. In: Oberpfälzer Heimat 1959, S. 69

16 Vith-Vitus-Veit; siehe auch www.heiligenlexikon.de/BiographienV/Vitus

17 Seidel; Christoph: Der Bergname Ochsenkopf. In: Der Siebenstern 1952, S. 17-20

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