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September 2019
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Das Seehaus öffnet wieder seine Pforten

Schon seit einigen Monaten ist es still am Westhang des Seehügels nahe des Schneebergs: Das Seehaus, beliebtes Ausflugsziel für Bewohner des Fichtelgebirges, wie auch für Gäste, hatte geschlossen. Die Ruhe aber trog, wie Jörg Hacker, Geschäftsführer des Fichtelgebirgsvereins, berichtet: „Natürlich hat man von außen nicht viel davon mitbekommen, aber im Inneren glich das Gebäude teilweise einer riesigen Baustelle: Wir haben die pächterlose Zeit dazu genutzt, um unter anderem die Küche komplett zu sanieren.“

Nur eine der Maßnahmen, die am historischen Gebäude notwendig geworden waren, das immerhin rüstige 91 Jahre auf dem Buckel und eine spannende Geschichte vorzuweisen hat: Bereits im 16. Jahrhundert wurde am Schneeberg von mehreren Bergknappen Zinn abgebaut, für die man das erste „Zinnhäuschen“ errichtete, das seit 1839 als „Seehaus“ bezeichnet wird. Nach dem Ende des Bergbaus wurde der Fichtelgebirgsverein auf das halbverfallene Gebäude aufmerksam und trat bereits 1916 in Verhandlungen ein, um eine Bewirtschaftung zu ermöglichen. Der Weltkrieg durchkreuzte die Pläne der Heimatfreunde, in die erst zehn Jahre später von Neuem Bewegung kam: Aloys Birkl und Heinz Will waren damals die treibenden Kräfte, unter deren Ägide es tatsächlich gelang, einen Finanzausschuss nebst Baukommission einzuberufen. Schnell wurde klar, dass das alte Gebäude nicht mehr zu retten wäre und so plante man schließlich mit einem Neubau, der ab 1928 nach den Plänen des Hofer Architekten Hans Albert errichtet worden ist. 16.000 Mark, das Gros der Kosten, übernahm damals der Ortsverein Hof, 5.500 Mark wurden vom Hauptverein zugeschossen.

Seit dieser Zeit wird das Seehaus von Pächtern bewirtschaftet, während sich der Fichtelgebirgsverein – finanziell und durch ehrenamtliche Arbeit der umliegenden Ortsvereine – um Unterhalt und Baumaßnahmen kümmert. Dabei spielt auch der Umwelt- und Naturschutz eine große Rolle: „Schon 2002 wurde die Umrüstung des autarken Gebäudes auf nachhaltige Energieproduktion durchgeführt,“ führt Hacker aus. „Allein 330.000 Euro wurden in Photovoltaikanlage, Blockheizkraftwerk und energetische Sanierung investiert.“

Und dennoch, aller Maßnahmen zum Trotz, blieb das Gebäude die letzten Monate geschlossen: Grund waren, einmal mehr, fehlende Pächter. „Der Fichtelgebirgsverein besitzt insgesamt fünf Unterkunftshäuser“, so stellv. Hauptvorsitzender Adrian Roßner, „von denen derzeit drei sehr, sehr gut bewirtschaftet werden. Nachdem der letzte Pachtvertrag für das Seehaus ausgelaufen war, gab es zwar immer wieder einmal Bewerbungen, doch fielen viele davon weg, da die Pachtinteressenten die besonderen Verhältnisse, die dort oben herrschen, komplett unterschätzten.“ Umso mehr freut es die Siebensternler, dass sie nun nicht allein neue Pächter auf dem Seehaus begrüßen dürfen, sondern dass es zudem alte Bekannte sind, die die Situation gut einzuschätzen wissen: Monika Steiner und Berthold Hübner, die sie bereits ab 2009 bewirtschaftet haben, werden die Ausflugsgaststätte ab 1. Oktober 2019 wieder für Wanderer und Ausflügler öffnen. „Damit sind die Bemühungen des FGV, diese Lücke im Tourismusangebot für Wanderer, Radfahrer, Tourengänger und Skiläufer zu schließen, von Erfolg gekrönt,“ freut sich Jörg Nürnberger, stellv. Hauptvorsitzender, ehe sein Amtskollege Roßner eine „Herzensangelegenheit“ ergänzt, wie er es nennt: „Man sollte stets – gerade bei manchen Diskussionen – im Hinterkopf behalten, dass der Fichtelgebirgsverein keine millionenschwere Holdinggesellschaft ist, sondern ein Verein, dessen Mitglieder ehrenamtlich einen Großteil der touristischen Infrastruktur in der Region am Laufen halten. Dass das keine Selbstverständlichkeit ist, hat man während der Schließung des Seehauses gut gemerkt. Insofern würden wir uns sehr freuen, wenn die viele Arbeit, die im Hintergrund läuft, auch entsprechend wertgeschätzt würde.“ Am Seehaus jedenfalls wird nach gut einem Jahr neues Leben einkehren, womit auch die dort vorbeiführenden Wanderrouten und die E-Bike-Station wieder in den Fokus unzähliger Naturfreunde rücken werden. Immer getreu dem Motto, unter dem das Seehaus einst errichtet worden ist: „Liebe zur Heimat hat dich erbaut, Liebe zur Heimat möge dich erhalten.“