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August 2019
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Der Fichtelgebirgsverein hat mehr als zehn neue ehrenamtliche Mitarbeiter geschult. Sie kümmern sich künftig nicht nur um Markierungen.

Die neuen Wegepaten beim Fichtelgebirgsverein mit dem FGV-Wegewart Christian Kreipe (hinten, Mitte). Foto: Wolfgang Neidhardt
Waldstein – Es gibt bekanntlich kein schlechtes Wetter, nur schlechte Ausrüstung. Diese uralte und nicht ganz unumstrittene Weisheit sahen diejenigen bestätigt, die seit Kurzem dafür sorgen, dass sich im Fichtelgebirge kein Wanderer verläuft. Denn beim Abschluss des Kurses für Wegepaten beim Fichtelgebirgsverein (FGV) auf dem Waldstein war das Wetter höchst ungemütlich. Was Christian Kreipe, den Wegewart des Hauptvereins, nicht daran hinderte, seine Schützlinge für eine knappe Stunde nach draußen zu bitten.
Schließlich galt es das, was vorher in zwei Theoriekursen erklärt worden war, in die Praxis umzusetzen. Und so stiefelten knapp 15 Wanderer los, einige geschützt durch Regenhosen, mancher mit Mütze und Kapuze, alle zusätzlich mit Regenschirm – und einer nutzte die Arbeitshandschuhe gleich dazu, die Extremitäten im Mai vor Unterkühlung zu schützen. In den Rucksack gehören zukünftig unter anderem: Markierungsbleche, Klebeschilder, Tacker, Hammer, Schraubenzieher, Dreikantschaber, Baumschere, ein Spannwerkzeug, Montageschellen, Spanplattenschrauben sowie eine Flasche mit Seifenlösung und ein alter Lappen. Der kommt als Erstes zum Einsatz. Denn gerade auf den Wetterseiten haben die Naturgewalten ihre Spuren hinterlassen: Wegweiser und Infotafeln sind zu reinigen und zu überprüfen: Entsprechen wirklich alle Wegweiser schon den Normen, die der FGV vom Deutschen Wanderverband übernommen hat? Schließlich will er seine Routen auch regelmäßig zertifizieren lassen. Und schon nach zehn Minuten Wanderung moniert eine ortskundige Teilnehmerin, dass das Ziel, der Arnsteinfels, nicht auf jedem Schild verzeichnet ist.
Auf dem Wege dorthin demonstriert Christian Kreipe weitere Grundsätze der Wegepflege und des Markierens. Die Äste einiger junger Laubbäume neigen sich nahe an die Köpfe der Wanderer: “Die solltet ihr in den kommenden Wochen ein bisschen ausschneiden.” An der Abzweigung des Weges nach Zell diskutiert er mit der Gruppe, ob die Schilder alle korrekt stehen und mit allen Zielangaben versehen sind.
Ein Stück weiter unten greift der Wegewart zum Dreikantschaber. Er entfernt eine Markierung von einem alten Stamm und ersetzt sie durch ein neues, angetackertes Blechschild. Und ein Stück weiter unten sei ein weiteres anzubringen, als sogenanntes Beruhigungszeichen – sodass der Wanderer weiß: Er ist weiterhin auf dem richtigen Weg. Der Baum, der schonend mit der Markierung bestückt wird, will gewissenhaft ausgewählt sein. “Der da drunten ist zu alt und wird vielleicht schon in wenigen Jahren gefällt”, urteilt Kreipe. “Nehmt am besten so mittelalte Bäume.”
Über einige glitschige Stufen und eine Holztreppe geht es dann zum Arnsteinfelsen. Die Aussichtsplattform gehört dem Fichtelgebirgsverein. Deshalb kann der in Haftung genommen werden, wenn ein Unfall auf mangelnde Sicherung zurückzuführen ist. Sollten Holzbretter oder Bohlen faul oder locker sein, so sind sie zu ersetzen – notfalls die ganze Treppe durch einen Gitterrost, der gerade bei Nässe sicherer zu begehen ist. Und am Geländer überprüfen Wegewarte und -paten, ob die Ständer und Querstreben stabil geblieben sind oder schon Rost ansetzen.
Kleine Schäden, nicht nur an den Besteigungsanlagen, beseitigen sie selbst. Doch grundsätzlich sind diese auch beim Hauptverein zu melden – und bei Bedarf dem zuständigen Forstbeamten. Und natürlich gibt es für die Wegepaten Begehungsprotokolle, die sie alljährlich im Frühjahr dem Hauptverein zukommen lassen. Denn die wichtigste Aufgabe ist es, nach der unwirtlicheren Jahreszeit zu prüfen, ob der Weg und seine Weiser gelitten haben. Einige weitere Male im Jahr sollen die ehrenamtlichen Helfer dann die ihnen zugeteilte Route noch gehen, kontrollieren und pflegen.
Seit dem Kursauftakt im Februar hat Christian Kreipe gut zehn Interessenten die Wege vermittelt, deren Betreuung ihnen ab sofort obliegt. Die meisten hat er auch schon auf den Routen begleitet und ihnen das Wissen beigebracht, das sie gar nicht haben können: über die rarer gewordenen unleidlichen Grundstücksbesitzer, über gewisse Eigenheiten bei verschiedenen Forstdienststellen, mit denen der FGV allerdings “fast immer gut zusammenarbeitet” bis hin zu den Schnittstellen zu den Gebieten anderer Ortsgruppen. “Die Nachbarn sollten sich natürlich untereinander abstimmen, damit alles einheitlich markiert und betreut ist”, sagt der Wegewart. Denn sollte das Sommerhalbjahr seinem Namen wieder gerecht werden, dann wird die deutlich steigende Zahl der Wanderer sehr froh sein, wenn die Wegepaten dafür sorgen, dass sie immer auf einer sicheren und wohlgepflegten Route unterwegs sind.

 

Danke an Wolfgang Neidhardt von der Frankenpost, der uns diesen Artikel zur Verfügung gestellt hat.